Ausbruch aus Glaubensmauern

Anklam. „Nathan der Weise“ ist eines jener Stücke, die wohl zu allen Zeiten so wirken, als wären sie just unterm Eindruck gegenwärtiger Konflikte geschrieben. Das spricht nicht eben für die Menschen, die solche Konflikte – in diesem Fall des Streits der Religionen – auch 200 Jahre nach der Entstehungs- und 800 Jahre nach der Handlungszeit nicht auszuräumen gelernt haben. Umso mehr spricht es für das Stück, für die Eindringlichkeit seiner Botschaft, die Kraft seiner Sprache. (…)


Nathan leidet unter der Last der Bedeutungen

Anklam (OZ) – Verhalten, ja melancholisch kommt vom Klavier die Melodie zu Schillers „Ode an die Freude“. „Alle Menschen werden Brüder“ am Ende von Lessings Stück „Nathan der Weise“ im Anklamer Theater klingt recht depressiv. Und auch das Figurenensemble im Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge steht ratlos da. Eine sterile Großfamilie, die nichts mehr mit sich anzufangen weiß. (…)

Scheinmoral und Möbel zerlegt

Zinnowitzer Schauspielschüler zeigen Brechts „Die Kleinbürgerhochzeit“ als Schwank der bürgerlichen Werte

Zinnowitz (OZ). Der Vater der Braut nervt mit unsäglichen Geschichten, der Bräutigam ist rasend eifersüchtig, die Braut tödlich beleidigt, die Gäste benehmen sich voll daneben und verlassen schon um neun sauer das Fest. (…)


Virtuose Schlacht mit kleinen Gemeinheiten

Zinnowitz. Brecht war 21 als er „Die Kleinbürgerhochzeit“ schrieb. Ein frustrierter junger Kerl oder ein genauer Beobachter? Vermutlich beides und er fand sie abstoßend, diese zur Schau getragene Moral und die angeschaffte Fröhlichkeit, hinter der Neid und Missgunst stehen. (…)

Tango der Ideologen

Doch, es geht. Theater kann den Zuschauer hinaufwirbeln in Höhen und ihn dann so schön ins Altbekannte fallen lassen, dass er entzückt erzählt, was er da für einen genialen Abend hatte. (…)

Schwerin – So etwas sieht man nur noch ganz selten: Theater, hautnah am Text, jenseits von Stückzertrümmerung, Videoästhetik, Originalitätssucht. Thomas Neumann heißt der Regisseur, dem im E-Werk des Schweriner Staatstheaters das Kunststück gelang, Samuel Becketts „Endspiel“ zum großen Theater-Ereignis zu machen. (…)


Landschaft mit Kriegern

Zu Heiner Müllers 75. Geburtstag eine Theaterreise in den deutschen Osten

Schwerin – Hauptsache, Arbeit: Das Staatstheater ist mit 320 Mitarbeitern der drittgrößte Arbeitgeber von Schwerin. 30 Premieren gehen jede Spielzeit über die Bühne. (…)

Menschen auf der Suche nach Liebe

„Das Kind“ von Jon Fosse seziert die Einsamkeit, Premiere im Neuen Theater Halle

Halle/MZ. „Das Wichtigste kann man irgendwie nicht sagen“, ist einer der Schlüsselsätze in diesem Stück. Hier ist nichts, oder doch fast nichts, wie gewohnt: Ein karger, stimmiger Bühnenraum (Jürgen Müller), begrenzt von drei Wänden, gibt Haltestelle, Wohnraum und Krankenzimmer her. (…)