Tango

Tango der Ideologen

Doch, es geht. Theater kann den Zuschauer hinaufwirbeln in Höhen und ihn dann so schön ins Altbekannte fallen lassen, dass er entzückt erzählt, was er da für einen genialen Abend hatte. Das ist tragisch, aber auch schon der einzige tragische Konflikt, mit dem sich Slawomir Mrozeks „Tango“ herumschlägt, denn dass es am Schluss ein Opfer gibt, damit die Gesellschaft weiterlebe, tut nur so. Es ist eine Farce und allzu wahrscheinlich.

Das bat-Studiotheater spielt, unter der Regie von Thomas Neumann, „Tango“, Mrozeks 1965 in Warschau uraufgeführtes zeitloses Stück. Wie es den Studenten der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ gelingt, frühvergreiste und alterslose Ideologen als lebensechte Karikaturen in fast schon brutaler Verkörperungs-Lust an sich zu reißen und abzustoßen, ist ihre hohe Schule des paradoxen Tanzes.

Arturs Eltern und Großeltern (Ina Piontek, Jörg Koslowsky, Claudia Frost, Matthias Ziesing) erinnern sich stolz an die Zeiten, als es schon genügte, Tango zu tanzen, um einen Skandal zu erregen. Doch Artur (Bert Tischendorf) hat die von ihnen erkämpfte Konventionslosigkeit satt. „Aus Prinzip“ heiratet er Ala (Uta Ziegeler). Ein hilfloses Torkeln in die Form mit der Einsicht, dass die Welt durch die Form nicht gerettet werden kann. Am Schluss siegt der einfältige Diener Edek (Philipp Rothkopf), mit dem sich die Weibchen in weiser Voraussicht bereits gepaart haben. Edek also, die verkörperte ¡Notwendigkeit und Tat-Sache“, so der Vater. „Was Edek ist, können wir nur durch Kunst und Anstrengung erreichen.“ Oder, mit den Worten der Mutter: „Es ist einfach so schön, zu sehen, wie er verdaut.“ Selbst die beschworenen „Tat-Sachen“ werden nur als Worthülsen ständig reproduziert. Darum – geht doch einfach hin.


Cosima Lutz




BAT Studiotheater

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